Naturgarten

Naturgartenpflege im Juli

Zwei Hitzewellen mit Rekord verdächtig hohen Tempe­raturen und ent­sprechen­der Trockenheit zeichneten den Juli 2015 aus.

Die Blütezeiten der verschiedenen Pflanzen waren dementsprechend kurz und intensiv. Dazu umgaukelten wunderbar viele Schmetterlinge die zahllosen Blüten.

Arbeiten, wie der Rückschnitt von Bütenstauden, fielen bereits im Juli an. Die Wiesenwege mussten hingegen kaum gemäht werden, da wegen der grossen Trockenheit nur noch ganz wenig Gras wuchs.

Vorpflanzung zur Hecke mit Historischen Rosen
Vorpflanzung zur Rosenhecke (10. Juli 2015)

Rückschnitt und mähen von Wiesenpflanzen

Leuchtend farbige Wildblumenwiesen, vor einem halben Jahrhundert noch eine Selbstverständlichkeit, waren auch damals nicht einfach sich selbst überlassene Natur. Sie waren das Resultat einer viele Jahrhunderte andauernden Entwicklung zwischen Pflanzen und Menschen.

Früher mähten die Bauern das Gras auf ihren kleinen Parzellen ca. drei mal pro Jahr mit der Sense und fütterten das Mähgut im Winter ihren Milchtieren. Durch das Mähen kam wieder Licht auf den Wiesenboden und die Pflanzen wuchsen nach, die meisten blühten ein zweites oder gar ein drittes Mal.

Glockenblumen
Glockenblumen, Wiesenflockenblume, Johanniskraut (25.06.2015)

Die meisten Wiesenpflanzen können deshalb auch heute noch nach der Blüte gemäht oder zurückgeschnitten werden. Am besten geschieht dies kurz bevor sie verblüht sind, sie wachsen darauf wieder nach und blühen in wenigen Wochen ein zweites oder gar ein drittes Mal. Wildbienen und Co. wissen das zu schätzen!

Flächen, welche nie gemäht werden, verbuschen und werden innerhalb von 10 bis 15 Jahren zu einem Jungwald.

Beispiel:

Rundblättrige Glockenblumen blühen den ganzen Sommer über bis in den Spätherbst hinein. Schon vier Wochen nach dem Rückschnitt blühen sie bereits wieder. Wird gestaffelt zurückgeschnitten, blühen immer irgenwo Glockenblumen.

Glockenblumen und Lavendel
Rundblättrige Glockenblume kombiniert mit Lavendel (29.06.2015)

Auch Züchtungen, wie Lavendel oder Steppen­salbei, blühen nach einem Rückschnitt ein zweites Mal. Im Herbst sind Blumen rar und deshalb von Wildbienen, Schmetterlingen u.a. Insekten besonders geschätzt.

Zweite Blüte im September
Zweite Blüte (08.09.2015)

Die zweite Blüte ist zwar nicht mehr so üppig wie die erste, aber wir schätzen die Farbtupfer zwischen den schönen Herbstfarben sehr. Ausserdem besuchen die Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und Schwebfliegen die vielen Blüten bis weit in den Herbst hinein.

Heckensaum mähen

Die Wildrosenhecke wächst zwischen der Quartierstrasse und unserer Hauswiese. Auf der Strassenseite befindet sich ein Wildblumensaum.

Wildblumensaum an der Wildrosenhecke (Bild 10. Juli 2015)

Gegen Ende Juli schneide ich die verblühten Pflanzen entweder mit der elektrischen Hecken- oder der Rasenschere und der Gartenschere zurück. Pflanzen, welche noch voll in Blüte stehen, schneide ich später zurück.

Glockenblumen, Taubenskabiose, Labkraut, Schwarze Königskerze, Seifenkraut, Frauenmantel, Thymian etc. blühen im Spätsommer nochmals.

Frisch gemähter Heckensaum (10.07.2015)

Unterhalb der Wildrosenhecke befindet sich unsere Hauswiese. Ein Bauer bewirtschaftet sie, lediglich das Gras unmittelbar der Hecke entlang schneiden wir im Juli selber - mit der Sense, notabene. Das Schnittgut bleibt einige Tage zur Umsiedlung allfälliger Insekten liegen.

Kein Rückschnitt auf Ruderalstandorten

Neben den eigentlichen Kulturflächen gab es früher Restflächen wie Kiesstrassen und -plätze, kleine Kiesgruben sowie Bachläufe und Sümpfe. Auch auf ihnen wuchsen viele Pflanzen. Diese Flächen wurden nur minimal bewirtschaftet, d.h. sie wurden höchstens ein Mal pro Jahr gemäht.

Rosenmalve auf dem Kiesplatz
Königskerzen, Glockenblumen, Rosenmalve, Johanniskraut und Blutweiderich (05.07.2015)

An diesen Standorten gediehen die attraktiven Pionierpflanzen (Königskerzen, Natternkopf, Malven etc.) sowie die Spezialisten für Trockenstandorte (Karden, Disteln, Wegwarten etc.) und auf den Feuchtstandorten blühten Blutweiderich, Wasserdost, Kohldisteln, Iris etc.

In den Gärten werden nun die meisten dieser Arten nicht zurückgeschnitten, denn sie blühen kein zweites Mal. Ihre Samenstände sind ein hübscher Schmuck im winterlichen Garten, viele Insekten finden darin ihr Winterquartier und ihre Samen sind für die Vögel ein notwendiger Futtervorrat.

Pionierpflanzen können einen Standort sehr schnell besiedeln. Drohen sie wegen starker Aussaat lästig zu werden, werden sie vor der Samenreife abgeschnitten.

Historische Rosen

Alle Rosen haben im Juli eine bis zwei Handvoll Hornspäne erhalten, je nach Grösse der Pflanze.

Bei den öfter blühenden Rosen werden die verwelkten Blüten und 2 Blattansätze weggeschnitten.

Viele einmalblühende Rosen haben Hagebutten angesetzt.

Da dieses Jahr aussergewöhnliche Trockenheit herrscht, habe ich die mehrmalsblühenden Rosen und die Kletterrosen einige Male gründlich gewässert. In den letzten Jahren war das jedoch nie nötig.

Jäten

Zusammen mit dem Rückschnitt jäte ich jeweils die unerwünschten Kräuter aus. Weil der Boden um diese Zeit bedeckt ist, keimen nur wenige Pflanzen und die Arbeit hält sich in Grenzen.

Wohl wegen der Trockenheit wuchs auf den Kieswegen fast nichts Unerwünschtes, höchstens ein paar beharrliche Löwenzahne.

Unter den Rosenhecken war hingegen eine gründliche Jätrunde nötig - keine sehr angenehme Sache! Aber Rosen bleiben halt gerne unter sich!

rundblättrige Glockenblumen
Rundblättrige Glockenblume: Rückschnitt am 01.07.2015 - 2. Blüte (Bild 13.08.2015)

 

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